Grundlegende Quellen des Islam

Da es vermutlich öfters um die islamischen Quellen gehen wird, gibt es hier einen Überblick samt Erklärung.

Wenn auf diesem Blog vom Islam die Rede ist, dann ist in erster Linie der traditionelle sunnitische Islam gemeint. Dies gilt insbesondere für die islamischen Quellen. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass der sunnitische Islam mindestens 85% einnimmt, d.h. alle weiteren Strömungen wie z. B. Schiiten, Ahmadiyya usw. ergeben in Summe höchstens 15%.

Die schriftlichen Grundlagen des Islam bilden der Koran und die Sunna.

Der Koran gilt als das direkte und wörtliche Buch Allahs. Er besteht aus 114 Abschnitten, die Suren genannt werden. Jede Sure wiederum besteht aus mehreren Versen, die im Zusammenhang mit Ereignissen in Mohammeds Leben stehen. Die Tatsache, dass der Koran kaum Kontext bietet und zudem nicht chronologisch angeordnet ist, macht ihn schwer verständlich. Als Beispiel sei hier Sure 80 genannt. Der Koran ist in verschiedenen Übersetzungen sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch online verfügbar.  Desweiteren gibt es Kommentare zu den Koranversen, die sog. Tafsir. Das sind Anmerkungen, die nach den Namen der Gelehrten benannt sind, z.B. Tafsir al-Jalalayn, Tafsir Ibn Kathir oder der Tafsir von Maududi. Oftmals sind die Online-Ausgaben gekürzte Versionen der entsprechenden Bücher, die zum Teil aus mehreren Bänden bestehen.

Da der Koran Mohammed als Vorbild für die Gläubigen bezeichnet, ohne allerdings Details über ihn zu verraten, ist die zweite Quelle des Islam die Sunna – ein Begriff, der für die Traditionen Mohammeds steht. Diese gehen auf verschiedene Werke zurück. Allen voran auf die sog. Hadithe, d.h. Überlieferungen. Es gibt mehrere Hadith-Sammlungen, die jeweils nach dem Gelehrten benannt sind, der sie zusammengestellt hat. Als die beiden bekanntesten und gleichzeitig zuverlässigsten Hadith-Sammlungen gelten Sahih al-Bukhari und Sahih Muslim. Allein eine einzige Sammlung ist vom Volumen her weitaus umfangreicher als der Koran. Der Vorteil dieser Sammlungen liegt darin, dass die Überlieferungen thematisch geordnet sind und daher Kontext bieten. Soweit mir bekannt ist, liegt lediglich Sahih al-Bukhari auf Deutsch vor, möglicherweise als gekürzte Version.

Eine weitere Quelle der Sunna stellt die Sira dar, was eine Bezeichnung für die Biografie Mohammeds ist. Die früheste Biografie kommt von Ibn Ishaq und ist, anders als der Koran, chronologisch aufgebaut. Es gibt eine deutsche Ausgabe der Sira, allerdings ist diese stark gekürzt und deckt etwa nur ein Drittel der englischen Ausgabe ab. Die chronologische Entstehung des Islam ist auch in der Geschichtsschreibung von al-Tabari dokumentiert. Der entsprechende Abschnitt wird durch Bände 6, 7, 8 und 9 abgedeckt.

All diese Quellen gelten als Grundlage, von der islamische Gesetzte und Konzepte abgeleitet werden. Die Summe all dieser Regeln wird als Scharia bezeichnet, dem islamischen Recht. Eines der klassischen Handbücher des islamischen Rechts liegt mit Reliance of the Traveller auf Englisch vor.

Auf dieser Website kann man viele Quellen auch online lesen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Islam veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s